| Aus Tübingen |
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Am 15. Oktober 1993 zog ich in eine Wohnung auf dem Herrlesberg, zwischen
Lustnau und Pfrondorf. Mit dabei war Kater Winnetou.
Mit den roten Tigerkatzen hatte ich leider kein Glück. Winnetou wurde, kaum
einjährig, von einem Auto überfahren. Sein Bruder Samson verschwand spurlos.
Romulus, die dritte rote Katze, erkrankte an "Katzen-AIDS". Auf diesem Bild
versuche ich, ihm eine Kortisontablette ins Fressen zu schmuggeln. Seit meiner
Kindheit hatte ich immer eine Katze. Romulus war die letzte. Er starb im
November 1996.
Der Winter 1996 hatte aber auch seine schönen Seiten. Zum ersten und einzigen
Mal erlebte ich eine Neckargfrörnis. In der Vergangenheit trat dieses Ereignis
alle zehn Jahre ein. Die Erderwärmung dürfte das in Zukunft seltener werden
lassen. Schade. Ein gefrorener Neckar ist eine Attraktion. Schon optisch, wie
man auf dem Bild mit der Neckarfront leicht erkennen kann. Aber auch sportlich:
Das Rutschen auf dem Eis war eine Riesengaudi.
Das Studentenleben stellen sich viele wie eine Rund-um-die-Uhr-Party vor. Ist es
natürlich nicht. Aber vom Studieren gibt es so wenig gute Fotos. Von den Partys
schon mehr. Bei dieser Feier war Weihnachtsverkleidung angesagt. Zu irgendwas
muss dieser Werbemüll ja gut sein!
Eine bad-taste-party in der Jacobsgasse? Man beachte das offen zur Schau
getragene Handy in der Brusttasche mit Daimler-Stern. Das Glas ist übrigens aus
gutem Grund leer: Ich trinke keinen Alkohol.
So sah es an meinem 27. Geburtstag in meinem Zimmer aus. Wieder auf dem
Herrlesberg. Mittlerweile meine vierte Studentenbude in Tübingen. Zwischendurch
wohnte ich auch mal anderthalb Jahre auf der Wanne in Untermiete. Heute ist es
eine 3er-WG - lauter Männer. Die Frau an der Wand ist übrigens von der CeBIT. Es
handelt sich um einen Tintenstrahldruck in Fotoqualität. Sie hängt dort also
ausschließlich aus technischen Gründen...
Der Höhepunkt jedes Sportjahres ist selbstverständlich der Stadtlauf. Viel sieht
man nicht von mir: Einmal von vorne neben Winne Hermann im Jahr 1998, einmal von
hinten im Jahr 1999. Vielleicht war ich einfach zu schnell?
Nein, ich weiß auch nicht, worauf ich hier starre. Sicher ist nur, dass in
letzter Zeit immer mehr Frauen aus meinem Freundeskreis heiraten. Der Punkt ist
ja noch zu klären: Nein, ich bin nicht verheiratet. Mir geht es im Moment eher
wie Ute Vogt: Es hat sich nicht ergeben. Im Privatleben muss man als PolitikerIn
Abstriche machen. Ein Zusammenleben mit Politaholics ist bestimmt auch nicht
leicht.
Sechs Jahre in Tübingen haben tiefe Spuren in meinem Leben hinterlassen. Ich
kann ehrlich sagen, dass ich diese Stadt liebe. Nicht nur wegen ihrer
äußerlichen Schönheit. Sie ist für mich wie eine antike Polis, ein Mikrokosmos
der Demokratie. Tübingen ist groß genug, um politische Experimente zu
ermöglichen. Zugleich aber klein genug, um Individuen Entfaltungsspielraum zu
geben. Eine große kleine Stadt!
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